Freitag, 28. Dezember 2012

Weihnachtsspeck made in Thailand

Seit langem getrauen wir uns wieder
einmal einen Grenzübertritt zu fotografieren!

Wir drückten auf den Knopf, erhielten einen Zettel mit einer Nummer und setzten uns aufs Bänkchen zu den anderen Wartenden. Als unsere Nummer aufgerufen wurde, gingen wir zum Schalter, händigten dem Beamten unsere Papiere und Pässe aus und entflohen der Hitze ins nächste Gebäude. Auf einem kleinen Bildschirm über unseren Köpfen lief stumm der letzte Bondstreifen - Daniel Craig stieg gerade in knappen Badehosen aus dem Meer - da wurden wir bereits wieder aufgerufen. Wir schoben 2000 Baht durch das Fenster und folgten den anderen Leuten wieder hinaus in die Hitze von Vientiane, begeistert von der Effizienz des thailändischen Konsulats: Morgen würden wir unser letztes Visum auf dieser Reise in den Händen halten. Unsere restliche Zeit in Laos verbrachten wir mit ein paar Tempelbesuchen und gutem Essen und machten uns dann auf den Weg ins benachbarte Königreich. Thailand - der südostasiatische Touristenmagnet - wir kommen! 

Skulpturenpark
Im ersten Städtchen gleich nach der Grenze wollten wir uns erst ein bisschen akklimatisieren. Neben dem Besuch der touristischen Hauptattraktion, einem skurrilen Betonskulpturenpark, gehörte dazu eine Strassenkarte aufzutreiben, Essensvorräte aufzufüllen und Sonnencreme zu kaufen. Wir bemerkten rasch, dass das Städtchen eher eine Grossstadt war und fragten in unserem Guesthouse nach, wo wir denn die benötigten Utensilien auftreiben konnten. Die Antwort war dreimal die gleiche: "Seven Eleven, Seven Eleven, and yes - Seven Eleven." So einfach? Im Tankstellenshop? Wir konnten es nicht ganz glauben, und fuhren deshalb raus, zum Einkaufszentrum am Stadtrand, wo wir alleine wegen dessen Grösse überfordert waren. Die Angestellten übten aber gerne ihre Englischkenntnisse an uns, waren überaus freundlich und hilfsbereit und nach einer Stunde hatten wir uns mit allem benötigten eingedeckt und feierten unseren Erfolg mit einer knusprigen Pizza und saftigen Donuts. 

Sorry, aber bei so viel Schönheit lohnt
es sich für mich nicht mehr für die
Kamera zu posieren...
Zurück im Guesthouse planten wir unsere Route und am nächsten Morgen um 6:15 ging´s auch schon los. Wie wir bereits kurz nach der Grenze festgestellt hatten, fahren Thailänder tendenziell auf der linken Strassenseite; daran mussten wir uns erst noch ein bisschen gewöhnen. Wir entschieden aber es ihnen gleichzutun und wechselten die Strassenseite, so oft wir daran dachten. Unser erstes Zwischenziel sollte Chiang Mai werden, wo wir Weihnachten verbringen wollten. 




Schöne Strasse am Mekong
Daher folgten wir einer wunderschönen, wenig befahrenen Strasse entlang des Mekongs in Richtung Nordwesten, liessen thailändische Vororte hinter uns und fuhren bald wieder vorbei an kleinen Dörfchen mit Holzhüttchen und "Tankstellen" in Bambushäuschen, wo das Benzin noch von Hand aus dem Fass gepumpt wird. Fast hätte man meinen können, wir radelten wieder auf Laotischem Boden, weit davon entfernt waren wir ja nicht - aber eben - nur fast: 

 Aussicht aus dem Guesthouse -
das Bild lassen wir auf unseren
Bettanzug drucken
Praktisch immer dann, wenn sich das kleine Hüngerchen wieder einstellte, tauchte in der Ferne eine der modernen thailändischen Tankstellen auf. Neben den obligaten Tanksäulen, die uns weniger interessieren, sind die Anlagen meist ausgestattet mit einem kleinen Café, verschiedenen Fressbuden und dem grün-orange-roten Riesen - Seven Eleven. Das Paradies für jeden Fahrradfahrer! Lust auf Süsses? Kein Problem - Bananenmuffins, Vanillekrapfen oder Schokocroissant in Plastik abgepackt für nur 20 Baht. Darf es etwas Erfrischendes sein? - Bediene dich selbst am Getränkeautomaten und geniesse eiskalten, gesüssten Kaffee, Tee oder Ovomaltine. Pappbecher, Deckel und Plastikröhrchen gibt´s gratis dazu. Oder lieber etwas herzhaftes? Das freundliche Seven Eleven Team hat verschiedene Croque Monsieurs fixfertig vorbereitet und wartet darauf, sie für dich zu toasten und ins Kartonschächtelchen abzupacken. Guten Appetit! Und falls dir das Angebot nicht reicht - gleich um die Ecke werden frische Ananas und Mango verkauft, eine Bude weiter gibt´s selbst gemachte Chips und Spiesschen und am letzten Stand duftet herrlich es nach knusprig gebratenen Hühnerschenkeln. Wenn du dich immer noch nicht entscheiden kannst, geh doch einfach wieder zurück, in den klimatisierten Seven Eleven, bis du am ganzen Körper Gänsehaut hast und dein Kopf auf gefühlte 18°C abgekühlt ist - bis dahin wirst du es bestimmt wissen. Das Ding-Dong der automatisierten Schiebetür fällt dir schon lange nicht mehr auf wenn du dann wieder nach draussen gehst, von der Hitze erschlagen wirst, die unzähligen Thailandflaggen und königlichen Fahnen über dir im Wind flattern siehst und denkst - "Thailand - I love you!

Touristisches Fischerdorf
Chiang Khan

Bettelmönche

Laub- statt Regenwald
Doch nicht nur wegen des Essens lieben wir Thailand - auch wegen der unbegrenzten Freundlichkeit und Offenheit seiner Bewohner. Sobald wir uns ein paar Kilometer von touristischen Gebieten entfernt hatten, begrüssten uns viele Thailänder bereits am frühen Morgen fröhlich winkend mit "Hello, Hello!" und "Where are you from?" oder ganz einfach mit Sawatdi-Khaaaaaaa (Frauen) oder Sawatdi-Kraaaaap (Männer). Auch das Erlernen der Sprache hat sich hier erübrigt - entgegen unserer Befürchtungen sprechen in diesem Land sehr viele Leute Englisch - zumindest so, dass man sich knapp verständigen kann. Vor allem in den weniger touristischen Orten bieten wir vielen Leuten als Falang DIE Gelegenheit, ihre sprachlichen Fertigkeiten zu üben - wenn sie denn den Mut aufbringen können, uns anzusprechen. 

Blumen statt Reis
So erkundigten wir uns eines Morgens bei einer Grillhühnchen-Verkäuferin nach dem Weg nach Loei, bedankten uns und fuhren in die gewiesene Richtung davon. Keine zwanzig Meter später hielt ein Auto vor uns an und eine sichtlich nervöse, rundliche Thailänderin stieg aus. "Can I help you?" fragte sie langsam, aber bestimmt. "Where do you want to go?" erkannte sie scharfsinnig. Obwohl wir den Weg bereits kannten, liessen wir uns noch einmal auf ein Gespräch ein und freuten uns über ihre Hilfsbereitschaft. 

Weingut statt Fischerhütte
Ein anderes Mal wurden wir auf einem Nachtmarkt etwas aufdringlich von einer jungen Thailänderin angesprochen, die Reis und Curry zum Mitnehmen verkaufte. Wir hatten eigentlich eher Lust auf gegrillten Fisch und wollten schon weiterziehen, doch sie blieb hartnäckig. Wir stellten dann schnell fest, dass sie überhaupt nicht daran interessiert war uns ihr Essen zu verkaufen, sondern einfach ein bisschen mit den Falang plaudern wollte. "I love foreigners" sagte sie, und quetschte uns dann aus über dieses und jenes. Sie interessierte sich für unsere Reise und fragte, wohin wir morgen fahren würden. Wir waren uns immer noch nicht ganz im Klaren, ob wir den Umweg nach Chiang Mai radeln wollten und daher grössere Etappen fahren mussten oder die Strecke mit dem ÖV zurücklegen sollten, also antworteten wir ihr "we don´t know". Sie war entsetzt. "What??? But you have to have a plan!!! Everybody needs a plan!" Domi und ich schauten uns stumm an und fühlten uns ertappt. Auf dem Heimweg beschlossen wir, unsere Räder in Phitsanoluk einzustellen und mit dem Bus nach Chiang Mai zu fahren.

Böse Biester
In kurzen Etappen fuhren wir nun immer weiter in den Nordwesten und waren erstaunt über die sich ändernde Vegetation. Wir erwarteten seit längerem richtigen Regenwald, doch plötzlich führte uns unsere Route wieder durch wunderschöne, herbstlich gefärbte Laubwälder; hätte man uns einfach ein Bild vor die Nase gehalten, hätten wir auf das Berner Oberland getippt. Einem plötzlichen Aufschrei von Domi folgte eine Zehntelsekunde später ein Aufschrei aus meinem Mund, die Beine waren erstaunlicherweise bereits auf dem Oberrohr parkiert: Um ein Haar verfehlte ich den zwanzig Zentimeter langen, dunkelgrünen Skorpion, der gefährlich seine Zangen gespreizt und seinen Stachel aufgestellt hatte und mich zurück in die Tropen holte. Zum Glück gibt´s solche Biester bei uns nur im Zoo. Auch die Kühe, die uns immer mal wieder friedlich wiederkäuend beäugten, sahen doch irgendwie etwas anders aus als zuhause, wenn wir nur wüssten warum?

Auso ceci n´est pas une vache, he!

Wir genossen die "kühle Bergluft" in den Hügeln von Nordthailand, durch die die "Green Road" uns führte. Auf diese Strasse, die im Lonely Planet ein Spezial-Abschnitt geniesst, hatte ich mich seit längerem gefreut - Nationalpark, Wasserfälle und hier und da ein Resort. Hier musste es einfach schön sein.


Ersetzt jedes Abführmittel
Hätten wir fast vergessen - Demokratie!
Während zwei Tagen schrien wir uns gegenseitig an, um bei einer Unterhaltung die vorbeirasenden Pickups zu übertönen, suchten vergeblich schöne Aussichtsplätzchen zwischen Souvenirständen und Wahlplakaten und hätten uns fast von einem der unzähligen Resorts davon abhalten lassen, wieder einmal unsere Campingausrüstung auszugraben. Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir das Hauptquartier des Thung Salaeng Luang Nationalparks, wo wir freundlich empfangen und mit Karte ausgestattet wurden: Etwa drei Kilometer von der mit Seven Eleven Müll gesäumten Hauptstrasse entfernt (die Thais haben ein etwas ambivalentes Gefühl für Müllentsorgung - einerseits schmeissen sie Abfall verantwortungslos auf die Strasse, andererseits fertigen sie aus gebrauchten Autoreifen niedliche Mülltonnen, Blumenkistchen und sogar Stühle...) und gut zweihundert Höhenmeter tiefer gelegen, befand sich ein Campingplatz am Ufer eines kleinen Bergbächleins. Etwas weiter östlich davon befanden sich ein paar Bungalows. Gleich daneben sei ein kleiner Laden, wo wir Essen kaufen könnten, teilte uns die nette Thailänderin an der Information mit. Wir freuten uns wie kleine Kinder auf den Sonntagsausflug und fuhren die steile Holperstrasse hinunter zum Zeltplatz. Wie sehr sich doch eine blühende Phantasie auf die Stimmung auswirken kann, wenn sie durch vorliegende Tatsachen zunichte gemacht wird: An einem seichten braunen Bach fanden wir einen verlassenen Zeltplatz, ein paar Bungalows und zwei schlafende Thais in Hängematten vor. Wo wir denn hier Essen kaufen könnten, fragten wir sie. Sie schauten einander an, zeigten den Berg hinauf und sagten "Entrance?" Etwas genervt da hungrig rollten wir auf die andere Seite des Bachs, wo wir unser Zelt aufstellen wollten. Immerhin hatte es dort eine funktionierende kalte Dusche und leicht vernachlässigte WC-Anlagen mit Spülung. In Zentralasien wäre dies der Himmel auf Erden gewesen. Wir erinnerten uns daran, versuchten für einen Moment den Luxus der vergangenen Tage zu verdrängen und suchten in unseren Taschen nach Essbarem. Nudelsuppe aus China - Perfekt! Wir assen alles auf und überlegten lange, ob und wo wir unser Zelt aufstellen wollten. Das nächste Resort wäre bestimmt nicht weit... Andererseits war dies die ideale Gelegenheit um Notvorräte zu vernichten und Kocherbenzin zu verbrauchen. Denn die Dichte an günstigen Guesthouses und Hotels würde wahrscheinlich weiter südlich nur noch zunehmen. Also entschieden wir uns zu bleiben, schnitzen eine Bambusflöte, bauten als es kühler wurde unser Zelt auf und freuten uns auf eine ruhige Nacht im Wald.

One, two, say: "Sticky riiiiiiice"
Da plötzlich, gerade als wir ein bisschen tiefer in unseren Taschen kramten und slowakische Fertignudeln mit Schinken und Käse fanden, fuhren nacheinander vier Pickups vor. Allesamt zum Bersten gefüllt mit weissgekleideten buddhistischen Nonnen. Sie stiegen aus und bald verwandelte sich der zuvor verlassene Campingplatz in ein einziges weisses Gewusel. Ich bahnte mir einen Weg hinauf zur Dusche und wurde freundlich von den thailändischen Nonnen begrüsst. Manche stellten bereits ihr Zelt auf, andere machten es sich mitten auf dem Weg auf einer Bambusmatte bequem. Eine fütterte mich mit Tamarinde und Sticky Rice, eine andere forderte mich freundlich zum Mitbeten auf. Ich faltete ein paar Mal grüssend oder dankend die Hände, ging duschen und schlich mich unauffällig an den weissgekleideten Frauen vorbei, zurück zu unserem Zelt. Mittlerweile hatten sich ein paar orange gekleidete Mönche unter die Gesellschaft gemischt und ein buddhistischer Priester wandte sich über ein Mikrofon an seine Schäfchen. Einige Mönche schossen noch ein Erinnerungsfoto von sich am Fluss, während eine kahlrasierte Nonne in sich gekehrt im Lotussitz auf einem Stein sass und vom fliessenden Wasser umgeben meditierte. Fasziniert beobachteten wir noch eine Weile das weiss-orange Treiben und wandten uns dann unseren Nudeln zu. Da kamen auch schon die nächsten Autos angefahren. Langsam füllte sich der Weg mit Fahrzeugen und der Zeltplatz mit Thais. Jeder fand ein Plätzchen für sein Zelt, ob auf ebenem oder abfallendem Gelände schien keine so grosse Rolle zu spielen, Hauptsache man kam nicht zu nahe an die Falang. Uns störte die Aussenseiterrolle in dieser Szene nicht und der Lärmpegel hielt sich erstaunlicherweise auch sehr in Grenzen - unsere Befürchtungen waren wohl noch Nachwehen von China. Das einzige was unsere Nachtruhe noch störte, war meine kaputte Isomatte. Aus unerfindlichen Gründen verlor sie durch ein unauffindbares Loch Luft. Vielleicht sollte ich nächstens doch lieber einen Bogen um Seven Eleven machen...

Phitsanulok...
...und Phitsanulok
Nach der letzten Etappe erreichten wir schliesslich die kleine Provinzstadt Phitsanulok und organisierten uns ein Busticket nach Chiang Mai, wo wir Weihnachten verbringen wollten.

Doch an Weihnachten erinnerten nur amerikanische Weihnachtslieder, die in Endlosschleifen Supermärkte beschallten, glitzerndes Goldlametta und kitschige Plastiktannenbäumchen, die Eingangsbereiche von Restaurants und Hotels zierten und die vielen Handys, die ausnahmsweise nicht im Gangnam Style klingelten sondern fröhlich Jingle bellten. Obwohl uns die Weihnachtsstimmung sozusagen mit der Keule serviert wurde, wollte sie sich aufgrund der schwülen Temperaturen und des fehlenden Schnees nicht richtig einstellen... Trotzdem liessen wir dann die Sorgen um überflüssige Kalorien typisch weihnächtlich beiseite und genossen die vielseitigen kulinarischen Angebote Chiang Mais. Essen fast wie zuhause - Same Same! - But... "Me no have Orange Juice now - we give Passionfruit! - Same color!" (O-Ton einer Servierdame nach dem Bestellen des kontinentalen Frühstücks) ...different. Tja, eben nur fast. Unser Weihnachtsmenü sollte Italienisch sein und im Pulcinella Da Stefano gönnten wir uns einen ausgezeichneten Dreigänger, der in so grossen Portionen daher kam, dass auch unsere Schweizer Tischnachbarn davon profitieren konnten und daraus wurde ein kurzweiliger Heiligabend zu viert. Die nächsten Tage verbrachten wir mit Rollerfahren (unser neues Hobby!), Zoobesuch und Kochkurs und rundeten unsere weihnächtliche Exkursion nach Chiang Mai ab mit Kindern die sich gegenseitig die Köpfe einschlugen (Muay Thai Boxing - ganz so schlimm war´s dann auch nicht). Zeit, unsere Köpfe wieder etwas im Fahrtwind zu durchlüften...

Einige Eindrücke aus Chiang Mai:









2 Kommentare:

  1. Holla der zwe Wäuteradler
    Ech wönsch öich e guete Rotsch is 13 ond em nöchschte Johr ond vör die letschte paar 1000 KM möglechscht kei Umfau. E dem Senn gut radle !!!!!

    Feleiz

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